Schmarotzer sind nicht totzukriegen

Schmarotzer sind nicht totzukriegen

Den Nobelpreis für Medizin teilen sich in diesem Jahr drei Wissenschaftler: Satoshi Omura aus Japan, William Campbell aus Irland und die Chinesin Youyou Tu. Alle drei sind Parasitenforscher und haben bahnbrechende Ergebnisse auf ihrem Gebiet erzielt. Dank ihnen kann einigen kleinen Plagegeistern jetzt der Garaus gemacht werden. Unter anderem haben wir endlich Medikamente gegen Malaria, Flussblindheit und Elephantitis. Wurde auch höchste Eisenbahn. Gerade die letzten beiden breiten sich ja pandemiemäßig aus …

Da hilft keine Medizin

Nur gegen ein paar Parasiten, die unsere Gesellschaft seit Jahrmillionen heimsuchen, haben auch diese drei Forschergenies noch kein Mittel gefunden. Es handelt sich dabei um echte Gewinner der Evolution. Biester, die einfach nicht auszurotten sind, sich im Gegenteil sogar noch vermehren wie keine andere Spezies auf unserem schönen Planeten. Vor allem im Arbeitsleben, also da, wo viele unterschiedlich tickende Menschen zusammenkommen, häuft sich das Auftreten bestimmter Schmarotzer.

Schreckstarre

Zum einen handelt es sich dabei um das stets unscheinbare auftretende Tierchen muris obsequiosum. Obwohl es zahlreiche Fressfeinde hat und auch vor Revierräubern nicht sicher ist, gelingt es dem Nager immer wieder, sich mittels geschickter Tarnung unauffällig zwischen anderen Individuen zu bewegen. Durch plötzliche Starre und die Kunst, nahezu unsichtbar zu werden, lenkt der „Duckmäuser“, wie er auch genannt wird, in Sekundenschnelle von sich ab und entgeht so den Angriffen höhergestellter Alphatiere. Muris obsequiosum erreicht oft ein hohes Alter und versauert nach Vollendung seines Lebenszyklus nicht selten an Magengeschwüren, Herzinfarkten oder der Erkenntnis seiner eigenen absoluten Nutzlosigkeit.

Blender

Podex serpereum hingegen ist ein häufig anzutreffender, offensiv angreifender Parasit, der durch den Anus in alle lebenswichtigen Organe des menschlichen Körpers eindringt und sich schließlich vor allem im Gehirn festsetzt. Dort bewirkt er eine Art „Realitätsblindheit“ bei den Betroffenen. Vom podex serpereum befallene Menschen erliegen nicht selten einem gewissen Gönnerwahn. Dieser führt in der Regel dazu, dass sie ihrem Parasiten einen für seinen Lebensraum durchaus gehobenen hierarchischen Rang zuteil werden lassen. Bei eher seltenem, extrem schweren Befall hat man allerdings auch von Exemplaren des sogenannten „Arschkriechers“ gehört, die ihrem Wirt sogar schon zum Hals heraus hingen. Wirksame Gegenmittel sind bisher nicht bekannt. Da sich podex serpereum gerade in unserer heutigen Arbeitsgesellschaft extrem rasant vermehrt, ist bei bekannt werden eines Auftretens sofort die Seuchenschutzbehörde zu informieren.

Ekelhaft

Und dann sei da noch mucus cacarus genannt, der die Kunst beherrscht, zugleich zu faszinieren wie auch anzuwidern. Als enger Verwandter des Podex serpereum steht er diesem kaum in etwas nach. Evolutionsforscher vermuten, dass mucus cacarus aus einer Kreuzung zwischen podex serpereum und muris obsequiosum entstanden ist. Beim Kampf um Anerkennung und Rang innerhalb eines Rudels setzt mucus cacarus eine Waffe ein, von der sich auch sein deutscher Name – Schleimscheißer – ableitet: Seine Artgenossen lässt er auf einer von ihm gelegten Schleimspur ausrutschen, sodass sie vom höhergestellten Rudelführer als hilflos, unfähig und tollpatschig angesehen werden. Da sich mucus cacarus in nahezu jeglichem gesellschaftlich relevanten Raum befindet und sich dort munter fortpflanzt, liegt seine Ausrottung noch in weiter Ferne. Lediglich konsequente Missachtung und schonungslose Aufklärung vor ranghöheren Individuen können zu seiner Eindämmung beitragen.

4 Comments

  1. Raija sagt:

    Genial!!!!! Die schlimmsten Parasiten sind immer unter uns. Diesen Blog sollte man in jedem Unternehmen an das schwarze Brett zumindest als Warnung aufhängen. Denn diese Parasiten werden wohl nie ausgerottet werden können. Leider.

  2. Bruno Woda sagt:

    Die Schmarotzer sind noch die sympathischsten Parasiten. Sie sind oft schön fürs Auge. Bei den Pflanzen z.B. die Mistel. Schiller hat eine schön tragische Kömmöde geschrieben, DER PARASIT (soll aber ein Plagiat sein). Ich habs in meinem Roman MISTELERNTE (Arbeitstitel) erwähnt. Der Schmarotzer, der dort seine Wurzeln in eine junge Familie geschlagen hat, findet jedoch schon vor seinem Wirt ein verdientes Ende. Der Roman erscheint im Juni 2017 in der edition oberkassel.
    Bruno Woda

    • Ralf Zahn sagt:

      Nun ja, Bruno – leider meinte ich aber nicht die pflanzlichen Schmarotzer. Schon eher die, welche ganz unbemerkt zunächst zwischen uns wandeln und handeln. Für Deinen Roman drücke ich Dir die Daumen!

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